Belagerung von Mafeking - ArGe Pfadfinder

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Belagerung von Mafeking

Geschichte

Die Belagerung von MAFEKING



Die Burenkriege

Nach der Besetzung der Kap Kolonie durch Großbritannien (1814) ließen sich zunehmend britische Auswanderer in Südafrika nieder. Schon bald kam es zwischen den ansässigen holländisch-stämmigen Buren und den Briten zu Spannungen. Englisch wurde die offizielle Landessprache, es wurden die britischen Gesetze eingeführt und der Umgang mit der schwarzen Bevölkerung reformiert. Als 1834 das Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei (Slave Emancipation Act) erlassen wurde, erreichten die Spannungen ihren Höhepunkt.
Um ihre Identität zu bewahren und nach eigenen Gesetzen zu leben, die u.a. die Abschaffung der Sklaverei nicht vorsahen (später entwickelte sich daraus die "Apartheid" Politik), zogen die Buren schließlich im sogenannten Großen Treck nordwärts. Zwischen 1840 und 1855 gründeten Sie nördlich der Flüsse Orange und Vaal den Orange Freistaat und die Republik Transvaal (Abb. 1).


Abb. 1

Nach dem Krieg gegen die Zulus, den Buren und Briten gemeinsam geführt hatten, versuchten die Briten 1877 Transvaal zu annektieren. Dies führte 1880/81 zum sogenannten ersten Burenkrieg. In der entscheidenen Schlacht um Transvaal besiegten die Buren die britischen Truppen und behielten dadurch die Unabhängigkeit ihres Landes.

Um 1886 wurden bei Johannesburg (Transvaal) reiche Goldvorkommen entdeckt. Tausende Goldsucher, insbesondere aus den benachbarten britischen Besitzungen, wurden dadurch angelockt und ließen sich in Transvaal nieder.  
Die Weigerung der Buren, den "Uitlanders" wie die Zuwanderer auf burisch genannt wurden, die politische und rechtliche Gleichstellung zu gewähren, lieferte Großbritannien den Vorwand, sich zum Anwalt der Ausländer zu machen und erneut gegen die Unabhängigkeit der Burenrepubliken vorzugehen. Am 12. Oktober 1899 brach schließlich der zweite Burenkrieg aus.  

Anfangs hatten die Buren einige größere Erfolge. Sie zwangen die britischen Truppen, sich in die Garnisionsstädte Ladysmith, Kimberley und Mafeking zurückzuziehen und belagerten diese. Da alle 3 Städte, Ladysmith im britischen Natal, Kimberley und Mafeking an der Eisenbahnverbindung zwischen dem britischen Rhodesien und der Kap Kolonie, strategisch von großer Bedeutung waren, war es für die Briten wichtig, sie bis zum Eintreffen von Verstärkungen zu halten. Dies gelang, obwohl die Buren den Briten deutlich überlegen waren.
Nach dem Eintreffen von Verstärkungen und einem Wechsel an der Spitze der britischen Truppen konnten die burischen Belagerer zurückgeschlagen und die Städte freigekämpft werden. Im Spätsommer 1900 wurden die Buren in zwei Schlachten geschlagen. Am 31. Mai wurde Johannisburg eingenommen, und am 5. Juni fiel Pretoria. Am 1. September wurde Transvaal von der britischen Krone annektiert.

Der Krieg schien für die Briten gewonnen zu sein. Aber die Buren änderten ihre Taktik und gingen zu einem für die Briten verlustreichen Guerilla-Krieg über, der fast zwei Jahre dauerte.
Da die Buren auf konventionelle Weise kaum zu fassen waren, wandten die Briten die Strategie der "verbrannten Erde" an. Buren Farmen wurden zerstört und die Ernten vernichtet, um die Gegner auszuhungern. Die Bewohner der Farmen, vor allem Frauen und Kinder, aber auch Schwarze, wurden in Konzentrationslagern interniert. Aufgrund katastrophaler Lebensbedingungen in diesen Lagern starben über 27.000 Buren und 14.000 Schwarze an Hunger und Krankheiten.
Am 31. Mai 1902 wurde schließlich Frieden geschlossen.



Die Belagerung der Stadt Mafeking

Bereits am 12. Oktober 1899 wurde die Stadt Mafeking (heute Mafikeng) von burischen Truppen umzingelt und belagert. Oberst Robert Baden-Powell (Abb. 2), dem Kommandeur der britischen Truppen in Mafeking, gelang es, die Stadt mit nur wenigen hundert Soldaten und unter schweren Bedingungen zu verteidigen. Nach dem Eintreffen von Verstärkungen konnten die Buren zurückgeschlagen und die Belagerung am 17. Mai 1900 aufgehoben werden.


Abb. 2


Da die Buren zahlenmäßig überlegen und gut ausgerüstet waren, brauchte Baden-Powell jeden Mann für die Verteidigung. Sein Stabschef gründete deshalb ein Kadetten Korps, dem anfangs 18, später 40 Jungen ab 9 Jahren angehörten (Abb. 3).



Abb. 3

Zu Ihrem Führer wurde der Junge Warner Goodyear (Abb. 4), den Baden-Powell später seinen ersten Pfadfinder nannte, bestimmt.


Abb. 4


Die Kadetten wurden dazu ausgebildet, Post auszutragen, Nachrichten zu überbringen, in Hospitälern zu helfen, die Bewegungen der Buren Truppen auszuspähen und zu melden und weitere Hilfsdienste zu leisten (Abb. 5 zeigt Warner Goodyear mit seinem Fahrrad). Zum großen Erstauen von Baden-Powell verrichteten sie die ihnen übertragenen Aufgaben mit großen Einsatz, umsichtig und verantwortungsvoll. Sie trugen eine khaki-farbene Uniform und einen breiträndigen Hut, dessen Rand an einer Seite hochgekrempelt war (Abb. 4 und 5).



Abb. 5


Die militärische Laufbahn von Baden-Powell liest sich folgendermaßen:
Von 1876 bis 1884 ist er mit Unterbrechungen bei den 13. Husaren in Indien stationiert. 1880 wird er dort für die Grenzsicherung abkommandiert, wobei er Erfahrungen im Geländedienst und Spuenlesen sammelt. 1884 wird das 13. Husarenregiment nach Südafrika verlegt. Nach einem kurzen Aufenthalt in England nimmt er 1888 an einem Feldzug gegen die Zulus teil. Von 1889 bis 1892 wird er zum Aufklärungsdienst in den Balkan geschickt, wo er sich auch der Naturforschung widmet. 1895 kommt Baden-Powell wieder nach Südafrika und nimmt am Feldzug gegen die Aschanti und 1896-97 gegen die Matabele teil. 1899 bildet er eine Truppe für Spezialaufgaben aus. Dabei wird er vom Burenkrieg überrascht und zum Verteidiger der Stadt Mafeking.

Während seiner Zeit in Südafrika lernt Baden-Powell von Eingeborenen unbekannte Methoden der Jagd, des Spurenlesens, der Orientierung, der Urwaldmedizien und weitere Waldläuferkünste kennen. All seine Kenntnisse und die Erfahrungen, die er mit den Kadetten macht, verarbeitet er in seinem ersten Buch "Aids for Scouting", was 1901 erscheint. Das Buch wurde ein Bestseller bei der britischen Jugend. Es war aber ein militärisches Buch, ein Hilfsbuch für Offiziere und Soldaten.




Nach dem Aufbau der berittenen südafrikanischen Polizei kehrt Baden-Powell 1903 nach Großbritannien zurück und wird zum Inspector General of Cavalry ernannt.

Das große Interesse der Jugend an seinem Buch "Aids for Scouting" veranlasst Baden-Powell sein Buch umzuschreiben. Es erscheint 1908 in 6 Fortsetzungen und ist für die Jugend geschrieben. Baden-Powell nennt das Buch "Scouting for Boys" (Abb. 6). Es wird bald zur "Bibel" der Pfadfinder. Ein Jungenlager, das er 1907 auf der Insel Brownsea  durchführt, ist der Beginn der Pfadfinderbewegung. 1910 tritt Baden-Powell aus der Armee aus und widmet sich von da an ganz der Pfadfinderbewegung.

Bei allem Respekt vor seinem großen Engagement für die Jugend und seinem unermüdlichen Einsatz für die Pfadfinderbewegung darf nicht vergessen werden, dass Baden-Powell als Offizier Ihrer Majestät, der Königin von England, an der Ausbreitung und Sicherung des britischen Weltreichs beteiligt war.



Abb. 6


Der Postverkehr im belagerten Mafeking

Da der Austausch von Nachrichten zwischen Verwandten und Freunden sehr wichtig war, wurde ein Postdienst eingerichtet, der von Kadetten verrichtet wurde. Es konnten Briefe innerhalb der Stadt und nach außen verschickt werden. Für die Zustellung von Briefen innerhalb der Stadt war eine Gebühr von 1 Pence pro 1/2 Unze fällig. Die Zustellung erfolgte zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Briefe nach außen kosteten 3 Pence. Sie wurden auf verschlungenen Wegen durch die feindlichen Linien geschmuggelt.

Interessant ist, dass am 23. März 1900, gut 2 Monate !! vor dem Ende der Belagerung, 2 Briefmarken mit dem Aufdruck MAFEKING / BESIEGED (belagertes Mafeking) ausgegeben wurden. Doch damit nicht genug! Es folgte in den darauf folgenden Wochen eine wahre Flut von Marken mit diesem Aufdruck. Die letzte Marke wurde am 3. Mai !! ausgegeben. Man fragt sich wie die Bezahlung der Briefgebühr wohl vor der ersten Markenausgabe quittiert wurde und ob überhaupt ein Bedarf für die vielen Marken vorlag. Wahrscheinlich nicht. Man sagt, dass Briefmarkensammler "ihre Finger im Spiel gehabt hätten". Das scheint zu stimmen, denn es gibt teilweise zwei- bis dreifach 1, 3, 6 Penny und 1 Shilling Marken und als non plus ultra eine 2 Shilling Marke. Natürlich gibt es auch Aufdruckvarianten. Insgesamt wurden 5 Cape of Good Hope und 9 Betschuanaland Marken überdruckt. Die Auflage der einzelnen Marken ist unbekannt. Aufdruckfälschungen gibt es natürlich auch.

Die 2 Marken vom 23. März waren eine gelbgrüne 1 PENNY  und eine karminrote 3 PENCE Cape of Good Hope - Marke (Abb. 7). Abbildung 8 zeigt einige Betschuanaland Marken mit dem Aufdruck.


  

Abb. 7

 

  
Abb. 8

Anfang April gab es dann gewissermaßen Sondermarken. Am 6. oder 7. wurde eine THREEPENCE - Marke mit dem Abbild von Oberst Robert Baden-Powell (Abb. 9) ausgegeben. Auflage. 6.072 Stück.
Am 10. April erschien dann eine ONE PENNY - Marke, auf der der Kadett Warner Goodyear auf seinem Fahrrad abgebildet ist (Abb. 10), Auflage 9.476 Stück, und eine weitere THREEPENCE - Marke mit dem Bild von Baden-Powell. Der Unterschied zur ersten Marke ist, dass diese etwas breiter ist und eine wesentlich geringere Auflage, nämlich nur 3.036 Stück, hat. Also ein echter philatelistischer "Leckerbissen" wie man heute sagt.
Geschnittete Marken gibt es auch. Möglicherweise handelt es sich um Makulatur, die seinerzeit auf geheimnisvollen Wegen auf den "Markt" gekommen ist und heute natürlich eine große Rarität darstellt (Abb. 11).

           

Abb. 9                       Abb.10




      
                                                                  



Abb. 11


Die Marken werden häufig zu den Pfadfinder-Briefmarken gezählt, was aber übertrieben ist, denn damals gab es noch keine Pfadfinderbewegung.
Alle Marken wurden zu je 12 Stück durch das Eisenblaudruckverfahren (Cyanotypie) auf ein quadrilliertes Papier (ein Papier mit vertikalen und horizontalen Wasserlinien) gedruckt.


Während das Überdrucken von Briefmarken relativ einfach ist, es kann auf jeder Druckmaschine ausgeführt werden, werden für Blaudrucke 2 Chemikalien, Ammoniumeisen (III)-Citrat und Kaliumferricyanid, benötigt. Ob diese in Mafeking vorrätig waren? War auch das Spezialpapier vorhanden? Wie hat man die Zähnung hergestellt? Wurden die Briefmarken möglicherweise außerhalb der Stadt hergestellt und durch Kadetten angeliefert?
Das Überdrucken der Cape of Good Hope und Betschuanaland Marken wurde von der Druckerei D. Taylor in Mafeking besorgt.
Abbildung 12 zeigt 2 Briefe, die innerhalb von Mafeking verschickt wurden. Der obere ist mit der gelbgrünen 1 PENNY Marke, der untere mit der karminroten 3 PENCE Marke, die beide am 23. März 1900 ausgegeben wurden, frankiert. Der Brief mit der 3 PENCE Marke wurde am 6. April aufgegeben.

  
Abb. 12

 
Abbildung 13 zeigt einen Brief mit zwei 3 PENCE Überdruckmarken vom 23. März 1900 . Der Brief wurde am 27. März 1900 in Mafeking aufgegeben und mit der Deutschen Ostafrika Linie nach Suez transportiert. Dort wurde er dann übernommen und 13. Mai erreichte er Kairo.


Abb. 13

 
Die Abbildung 14 zeigt einen Brief mit einer 1Shilling Bechuanaland Protectorate - Marke mit "MAFEKING BESIEGED" Überdruck. Die Marke wurde am 25. April 1900 ausgegeben. Der Brief wurde an eine Adresse in der Kap Kolonie geschickt.


Abb. 14


Die Abbildungen 15 und 16 zeigen Briefe mit den Marken 9 und 10, die beide innerhalb Mafeking verschckt wurden.
  

     
Abb. 15/16



Abb.17
Brief vom 2. Mai 1900 an Baden-Powell im Hotel Dixon,
in dem Bi-Pi´s Stab während der Belegerung untergebracht war




Während der Belagerung wurden 3 Stempel benutzt:

1./ Der Ortsstempel MAFEKING, Durchmesser 25 mm (Abb. 18). Dieser Stempel wurde am meisten verwendet. Auch nach der Belagerung wurde er noch benutzt wie die Abbildung zeigt.

2./ Der Telegrammstempel MAFEKING, Durchmesser 21 mm (Abb. 19). Der Stempel ist sehr selten. Er wurde gelegentlich irrtümlich benutzt.

3./ Ein alter Ortsstempel (Abb. 20). Auch dieser Stempel ist sehr selten.

Die vorstehend gezeigten Briefe sind alle mit dem Ortsstempel abgestempelt.
Von beiden Stempeln sind Fälschungen bekannt.

                                               
                 
                                                       Abb. 18                                         Abb. 19



Abb. 20

 


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