dt. Pfadf. 1914/18 - ArGe Pfadfinder

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dt. Pfadf. 1914/18

Raritäten




Deutsche Pfadfinder im I. Weltkrieg



Am 18. Januar 1911 wurde der Deutsche Pfadfinder Bund (DPB) gegründet. Zum ersten Reichsfeldmeister wurde der Hauptmann Maximilian Gustav Stephan Bayer (Foto) gewählt. Im ersten Weltkrieg war er vom 30.August 1914 - 5.Januar 1915 Kommandant von Brüssel. In dieser Eigenschaft berief er Pfadfinder als Boten und Melder in die belgische Hauptstadt, wo sie unter Beachtung strenger Regeln und Vorschriften militärischen Hilfsdienst leisteten. Auch in Antwerpen, Lüttich und Namur waren Pfadfinder stationiert.

                                    
                                                                                     Abzeichen des DPB Reichsfeldmeisters


Über den Einsatz von Pfadfindern des DPB im ersten Weltkrieg schreibt Reichsfeldmeister Maximilian Bayer 1917 (Anmerkung: bis mindestens bis 1916 hielt er, neben seinem vielseitigen Dienst, im wesendlichen die Zügeldes DPB in der Hand. Er fiel am 25. Oktober 1917 bei Nomeny in Frankreich) in "Der Feldmeister":

(...) Sie bewachten die Fahrzeuge, holten Offiziere und Mannschafften fehlende Ausrüstungsstücke, halfen bei der Verteilung von Sachen an die Reservisten, taten Botendienste für die Geschäftszimmer usw. 20 Jungen etwa wurden auf den Bahnhof geschickt, zeigten den Reservisten den Weg, halfen die Koffer schleppen, brachten die Angehörigen von Mannschafften nach den Kasernen, halfen dem Roten Kreuz und der Bahnhofskommandatur bei der Erledigung der Transporte. Die übrigen Jungen wurden auf die städtischen Ämter verteilt, insbesondere beim Bezirkskommando, bei der Stadtverwaltung usw. Unermüdlich arbeiteten die jungen Burschen und schienen glücklich, dass sie auch helfen konnten, wenn Deutschlands Heer aufgestellt wurde....
Insbesondere sei erwähnt, dass schon seit zwei Jahren in Brüssel ein Pfadfinderkorps besteht, das ausschließlich den Zweck hat, den Militärbehörden und den Verwaltungsbehörden zu helfen. Es werden dadurch tatsächlich 120 erwachsene Leute als Ordonanzen gespart, und diese 120 Mann werden dadurch dauernd für die Front frei. Wieviel sonstige Mannschaften in anderen Stellen durch ähnliche Dienste der Pfadfinder gespart werden, lässt sich ziffernmäßig nicht belegen. Wohl aber lässt sich ganz genau nachweisen, wann und wo Pfadfinder zum Nutzen des Vaterlandes und insbesonder den Militärbehörden geholfen haben...(...)



"Der Pfadfinder", Schrift des DPB, mit einem Nachruf für
Major und Regimentskommandeur Maximilian Bayer


Nach diesem Foto von 1916 dürften etwa 50 bis 60 Pfadfinder in Brüssel stationiert gewesen sein.



Deutsche Pfadfinder in Brüssel vor der Congress_Säule



Es ist festzustellen, dass die meisten Pfadfinderbünde, die im Deutschen Pfadfinder Bund vereinigt waren wie auch der DPB, von Offizieren geführt wurden und eine militärische Struktur hatten. Das prägte die deutschen Pfadfinder damals staats-  vor allem aber militärnah, wodurch die große Begeisterung für den Hilfsdienst im besetzten Belgien zu erklären ist. Das Bundesabzeichen war ein schwarz-weiß-rotes Schachbrett (Bild), das dem der militärischen Späher und Kundschafter entsprach.



Die Post von Pfadfindern an Verwandte oder Freunde in Deutschland wurde als Feldpost behandelt und war gebührenfrei. Karten und Briefe von Pfadfindern in Brüssel und Antwerpen wurden mit einem speziellen Pfadfinderstempel gekennzeichnet. Die Stempel sind violett. Poststücke von Pfadfindern in Lüttich erhielten wahrscheinlich keinen derartigen Stempel, jedenfalls ist bisher nichts davon bekannt. Ein Beleg aus Namur wurde bis heute nicht gesichtet (<< falls Dir ein solcher Beleg bekannt sein sollte, bitte sende uns eine Kopie). Hin und wieder sind Vignetten des DPB, die dem Bundesabzeichen entsprachen, auf Feldpostkarten oder Briefen zu finden.

Nachfolgend einige Belege von den Kommandaturen in Antwerpen, Brüssel und Lüttich.




      Postkarte eines Unteroffiziers in Brüssel an einen Kameraden (Gefreiten) mit Datum vom 23.9.1917



Seltener Feldpostbrief (roter Feldpostaufkleber) mit Maschinenstempel "BRÜSSEL 7.7.1916" und Stempel „Pfadfinderabteilung der Deutschen Kommandantur Brüssel" nach Bernburg (Sachsen-Anhalt)



Postkarte mit DPB-Vignette, vermutich von einem Schüler an seinen Rektor, vom 27.4.1915




Postkarte eines Pfadfinders in Brüssel an einen Bekannten in Stuttgart, Datum 22.5.1916




Seltener Brief an einen Pfadfinder in Brüssel, aufgegeben am 9.6.19? in Braunschweig




Postkarte aus der Kommandantur in Antwerpen nach Deutschland, Datum ?




Postkarte eines Pfadfinders in der Kommandantur Lüttich vermutl an seine Eltern, Datum 28.9.19?




Fotopostkarte eines Mitglieds der Pfadfinderabteilung Antwerpen vom 31.V.1917
mit „BRIEFSTEMPEL / KAISERL. DEUTSCHE GOUVERNEMENTS-INTENDANTUR / ANTWERPEN“
Das Foto zeigt vermutlich die Pfadfinderabteilung in Antwerpen






Maximilian Bayer´s Grabmal auf dem Mannheimer Hauptfriedhof
(Foto Konrad ERB)

Die Inschrift lautet:

MAJOR
MAXIMILIAN BAYER
GEB. 11.V.1882 zu KARLSRUHE
GEFALLEN 25.X.1917 BEI NOMENY
ALS KOMMANDEUR R.I. Rs. 259

ERSTER REICHSFELDMEISTER D
DEUTSCHEN PFADFINDERBUNDES.

WAS ER FÜR´S VATERLAND UND
DEUTSCHLANDS JUGEND GETAN
BLEIBT IHM UNVERGESSEN.

UNTER DIESEM FINNISCHEN
GRANITBLOCK RUHT DER GRÜNDER
u. RUHMVOLLE KOMMANDEUR
D. JÄGERBATL. 27. SEINER ER-
INNERN SICH IN DANKBARKEIT
D. FINNISCHEN JÄGER U.D.
DAS FINNISCHE VOLK



Literatur:

Tagesbuch von Hans Schüler, "Brusselles 1918 - Erinnerungen eines Pfadfinders".
1997 bearbeitet von E. und G. Steinmann (ArGe Pfadfinder)

Walter Richter "Als Pfadfinder im besetzten Belgien 1915"

Gottfried Steinmann "Deutsche Pfadfinder-Abteilungen in Belgien im Weltkrieg 1914/18"






























































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