Warschau 1944 - ArGe Pfadfinder

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Warschau 1944

Raritäten


Der Warschauer Aufstand 1944



Angesichts des Vorrückens der sowjetischen Verbände in der Sommeroffensive 1944 bis vor die Tore Warschaus entfachte die nationalpolnische Heimatarmee (Armia Krajowa) - unterstützt von weiteren Untergrundgruppen wie der kommunistischen Volksarmee (Armia Ludowa) - am 1. August 1944 einen Aufstand gegen die deutschen Besatzer. Die rund 25.000 Aufständischen unter Führung von General Graf Tadeusz Komorowski (Bild 1) versuchten, die polnische Hauptstadt vor dem Einmarsch der Roten Armee aus eigener Kraft zu befreien.


Bild 1

                                                         
Nach erbittert geführten Häuserkämpfen in den Straßen Warschaus brachten die polnischen Verbände in den ersten Tagen bedeutende Teile der Stadt unter ihre Kontrolle, bevor deutsche SS- und Polizeieinheiten unter SS-General Erich von dem Bach-Zelewski allmählich die Oberhand gewannen.  (Bild 2: Situation am 5. August, Bild 3: Situation am 2. Oktober:

              
Bild 2/3


Unterstützung erhielten die Polen durch die britische Royal Air Force, die wiederholt Waffen und Versorgungsgüter per Fallschirm über Warschau abwarf. Zutiefst verstimmt zeigten sich die Westalliierten über die Weigerung der Sowjets, den Aufständischen Hilfe zu leisten oder die britischen Versorgungsflugzeuge auf sowjetischen Flughäfen landen zu lassen. Josef W. Stalin hatte keinerlei Interesse an einem Sieg der nationalpolnischen Heimatarmee, die noch vor dem Eintreffen der Roten Armee in Warschau eine vermutlich antikommunistische Regierung etabliert hätte. Vielmehr war ihm daran gelegen, das kommunistische "Lubliner Komitee" als willfährige Regierung Polens zu installieren, das die Interessen Moskaus vertreten würde. Am 2. Oktober 1944 mußten die polnischen Verbände in Warschau die Waffen strecken.

16.000 polnische Bewaffnete und 150.000 Zivilisten sowie 2.000 Deutsche fielen den Kämpfen zum Opfer. Rund 70.000 Menschen wurden in Konzentrationslager deportiert und hunderttausende Warschauer in das Durchgangslager Pruszkow zwangsevakuiert. Systematisch zerstörten deutsche Verbände anschließend einen Großteil der nahezu menschenleeren polnischen Hauptstadt (Bilder 4 und 5).


    
Bild 4/5


   

Während des Aufstands gab es einen Pfadfinder – Postdienst, der den Austausch von Nachrichten zwischen Familienangehörigen bzw. Kampfeinheiten ermöglichte. (Anmerkung: In der Broschüre "Der Warschauer Aufstand 1944 und seine Pfadfinderpost" von Gottfried Steinmann  > siehe Literatur < ist mehr darüber zu erfahren).

Die Post konnte in bestimmte Briefkästen geworfen werden (Bild 6) und wurde dann von Pfadfindern und Pfadfinderinnen unter Einsatz ihres Lebens dem Empfänger überstellt (Bilder 7 / 8). Nach dem Krieg fand man hier und da Pfadfinder, noch mit der Brieftasche im Arm, unter Trümmern begraben.



Bild 6
 


           
Bild 7/8
                                                                

Der Pfadfinder - Postdienst verwendete verschiedene Stempel einschl. eines Zensur- und „Gebühr bezahlt“ – Stempels. Der Verwendungszeitraum ist verschieden. Alle Stempel sind am Pfadfinderemblem, der Lilie, zu erkennen. Sie kommen in unterschiedlichen Violett - Tönen vor. Von allen Stempeln gibt es mehrere Abarten (und natürlich auch Fälschungen. Die Prüfung von Belegen durch einen international anerkannten Experten ist deshalb dringend anzuraten). Weiter unten sind die verwendeten Stempel ohne Differenzierung der Abarten abgebildet.

Stempel Nr., Farbe, Material, Zeitraum und Stadtteil der Verwendung nach dem poln.-Katalog
" STEMPLE POCZTOWE o tematyce harcerskiej 1914 - 1985"

Stempel Nr.

Stempelabschlag
Abmessungen

Farbe
Abmessungen

Material

Verwendet vom...bis im Stadtteil

12







violett

Durchmesser ??

rohe
Kartoffel

4. - 5. VIII.
Warschau-
südl. Innenstadt

13







violett

Durchmesser 45 mm

rohe
Kartoffel

6. - 9. VIII.
Warschau-
südl. Innenstadt

14





violett,
bläulich- violett

Durchmesser 49 mm

Holz

8. VIII. - 10. IX.
Warschau-
südl. Innenstadt

15





violett,
bläulich- violett

Durchmesser 32 mm

Gummi

Pfadfinder - Feldpoststempel

10. VIII. - 20. VIII.
Warschau-
südl. Innenstadt

16



violett,
bläulich- violett

Durchmesser 35 mm

Gummi

12. VIII. - 20. VIII.
Warschau-
südl. Innenstadt

17







violett

Durchmesser 30 mm

Gummi

12. VIII. - 22. VIII.
Warschau-
südl. Innenstadt

18





violett

Durchmesser 43 mm

Gummi

10. VIII. - 31. VIII.
Warschau-
südl. Innenstadt





19


violett

Durchmesser 40 mm

Gummi

Pfadfinder- Hauptpoststempel

18. VIII. - 1. IX.
verwendet in Warschau - Czerniaków

20




violett,
bläulich- violett

74 x 10 mm

Holz

"Gebuehr bezahlt" Stempel

6. VIII. - 2. IX.
Warschau-
südl. Innenstadt




21








violett,
bläulich- violett,
schwarz

38 x 19 mm

Holz

Pfadfinder Zensurstempel

6. VIII. - 10. IX.
Warschau-
südl. Innenstadt


Einige Belege



Brief mit Stempel Nr. 12



Brief mit Stempel Nr. 13, "Gebühr bezahlt" und Zensurstempel




Brief mit Stempel Nr. 14 und Hauptfeldpoststempel vom -9.VIII.


         

Brief mit Stempel Nr. 15 und Zensurstempel

   
 
      
Brief mit Stempel Nr. 16 und Zensurstempel Nr. 18


           
Brief mit Stempel Nr. 16, "Gebuehr bezahlt" und Zensurstempel         
Interessant ist, dass die Hitler-Marke nicht unkenntlich gemacht worden ist



Brief mit Stempel Nr. 17, "Gebühr bezahlt" und Zensurstempel



Brief mit Stempel Nr. 18 und Datumsstempel vom 17. September



Quellen u.a.: Gottfried Steinmann (ArGe Pfadfinder) "Der Warschauer Aufstand und seine Pfadfinderpost


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