Inflation - ArGe Pfadfinder

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Inflation

Geschichte
Inflationsmarken mit dem Aufdruck
"Rhein-Ruhrhilfe / Fahrtenbeihilfe Pfadfinderkorps"


Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg wurde das Deutsche Reich durch den Versailler Vertrag gezwungen, massive Reparationen an die Allierten zu zahlen. Wegen großer wirtschaftlicher Probleme des Reichs verzichteten die Alliierten 1922 auf Reparationszahlungen in Form von Geld und forderten stattdessen Sachleistungen (Kohle, Industriegüter) ein. Aufgrund eines geringen Lieferrückstands bei den Reparationen an Frankreich besetzten am 11. Januar 1923 französiche und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Aus Protest gegen die Besetzung rief die Reichsregierung zum passiven Widerstand auf. Arbeiter, Beamte und Angestellte folgten dem Aufruf und legten die Arbeit nieder. Eisenbahner fertigten keine Züge nach Frankreich mehr ab. Beschlagnahmte Häuser waren am folgenden Tag ohne Wasser-, Gas- und Strom. Vereinzelt wurden sogar Sabotageakte durchgeführt. Die Besatzungsmächte verhängten daraufhin den Belagerungszustand. Viele Unternehmer und Streikende wurden vor Gericht gestellt, zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt oder ausgewiesen.
Das wirtschaftliche Chaos an der Ruhr und die Notwendigkeit, Millionen Streikende zu unterstützen, führten das Reich in eine schwere Krise. Die Geldentwertung wurde immer rasanter und machte es unmöglich, auf dem Weltmarkt die benötigten Lebensmittel für die Bevölkerung einzukaufen. Wer keine Sachwerte zum Tauschen hatte, hungerte.

Zur Unterstützung der Menschen an Rhein und Ruhr brachte die Deutsche Reichspost am 19. Februar 1923 drei Zuschlagsmarken heraus (Abbildung 1). Die Marken haben die Michel-Nr. 258/60. Sie waren bis zum 30. September 1923 gültig.


Abbildung 1

Wegen der "galoppierenden" Inflation mußte die Reichspost ständig neue Briefmarken herausgeben. Die nicht aufgebrauchten, wertlos gewordenen Marken konnten Bogenweise von Privat erworben werden. Man verwendete sie als Briefverschlußmarken oder ließ sie z.B. mit Werbung bedrucken (Abbildung 2).

Offensichtlich gab es ein Pfadfinder?korps (wo konnte bisher nicht ermittelt werden), das wie viele andere Briefmarken erwarb und mit dem Aufdruck "Rhein-Ruhrhilfe" bzw. "Fahrtenbeihilfe" überdrucken ließ (Abbildung 2). Es ist gut möglich, daß die Marken gegen eine Spende für die notleidende Bevölkerung im Rhein-Ruhrgebiet bzw. zur Finanzierung von Fahrten verkauft wurden. Das Druckdatum ist unbekannt. Es muß aber, legt man den eingeschriebenen Brief (Abbildung 3) zugrunde, vor dem 21. August 1923 gelegen haben. Interessant ist, daß alle überdruckten Briefmarken zu diesem Zeitpunkt noch frankaturgültig waren!! Sie wurden erst am 30. September 1923 ungültig!! Damit erhebt sich die Frage: Woher kam das Geld für die Briefmarken? Ein Bogensatz kostete immerhin 565 Mark. Es dürfte aber mehr als ein Bogensatz gedruckt worden sein. Haben die Pfadfinder ihr Taschengeld geopfert oder gab es jemanden, der ihnen das Geld geschenkt hat??
Das Porto für einen gewöhnlichen 20 g Brief im Fernverkehr betrug am 1. August 1923 eintausend Mark. Die Einschreibgebühr kostete noch einmal 1000 Mark. 


Abbildung 2

Der bereits erwähnte eingeschriebene Brief ist somit korrekt mit 2000 Mark freigemacht. Die zusätzlich aufgeklebten Spendenmarken hatten keine Frankaturgültigkeit mehr, obwohl sie abgestempelt sind. Das ist vermutlich einem gutmütigen Postbeamten zu verdanken. 



Abbildung 3



Wer kann mehr zu diesen "Pfadfindermarken" beitragen? Gibt es weitere Briefe?
Weitere Informationen werden gern entgegen genommen.


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